Selbst ist der Verbraucher

Der deutsche Strommarkt steht vor einer signifikanten Veränderung. Entnervt durch jahrelange Strompreiserhöhungen, die im Takt von sechs Monaten mehr zur Regel als zur Ausnahme wurden, entscheiden sich immer mehr Industrie- und Gewerbebetriebe dazu, sich selbst mit Strom zu versorgen. Diese Entwicklung begann schon vor einigen Jahren und erfreut sich in jüngster Vergangenheit immer größerer Beliebtheit. Heutzutage versorgen sich ca. 10-18% dieser Betriebe selbst mit dem für Sie benötigten Strom.

Dazu stoßen jetzt allerdings noch viele Privatpersonen, die sich ebenfalls von den großen Stromversorgern lossagen. Zwar liegt die Zahl des durch Selbstversorger verbrauchten Stroms auf alle Netze gesehen bei gerade einmal 0,5%. Doch diese soll nach Meinung von vielen Experten in den nächsten Jahren deutlich ansteigen und sich schon bald im zweistelligen Bereich befinden. Bis zum Jahr 2016 rechnet man gemeinhin mit bis zu 20.000 neuen Speichern, die es Privatpersonen ermöglichen, einen Großteil des benötigten Stroms selber zu erzeugen und das Stromnetz nur noch dann zu verwenden, wenn der eigene Bedarf durch den Betrieb vieler Geräte überstiegen wird.


Begünstigt wird diese Entwicklung auch durch den Preissturz des benötigten Equipments. Diese sind in den letzten zwölf Monaten im Schnitt um die Hälfte gefallen. Außerdem können Selbstversorger Ihren erzeugten Strom, den Sie nicht verwenden, ins Hauptnetz einspeisen lassen und kassieren dafür eine kleine Vergütung. Für die großen Stromversorger sind diese Prognosen sowie die aktuelle Entwicklung ein echtes Horrorszenario. Neben dem offensichtlichen Kundenschwund befürchten sie vor allem eklatante Störungen der Netze durch großformatige (z.B. Offshore-Windkraft) oder kleinere erneuerbare Energien.

Die Folgen dieser Veränderung werden sowohl kurz- als auch langfristig sein. Zuvorderst werden von vielen Stromversorgern Kooperationen mit Stadtwerken oder externen Branchen in Betracht gezogen. Später könnten dann auch die Verbraucher profitieren. Durch den zu erwartenden, steigenden Konkurrenzdruck durch neue Marktteilnehmer in der Branche werden die Preise über kurz oder lang weiter fallen, solange die aktuelle Entwicklung anhält. Allerdings steht dies noch in den Sternen, denn so gut wie sich die Rahmenbedingungen für einen privaten Selbstversorger auch anhören, gibt es natürlich auch berechtigte Ängste und klare Nachteile.

Bei aktuellem fallenden Ölpreis könnte sich eine Umstellung auf ein in der Investition teures Stromversorgersystem nicht wirklich rentieren. Dafür müsste dieser Preis jedoch stabil tief bleiben oder aber noch weiter fallen. Dasselbe Szenario besteht im Übrigen auch mit dem Strompreis, der aufgrund sinkender EEG-Umlage auch im Jahr 2015 weiter sinken wird. Des weiteren könnten auch deutsche Politiker den Selbstversorgern ein Schnippchen schlagen. In regelmäßigen Abständen bringen einige von ihnen nämlich eine staatlich geregelte Abgabe für Selbstversorger ins Gespräch. Die Begründung dafür besagt, dass auch private Stromerzeuger weiterhin das Stromnetz nutzen, dafür aber einen deutlich geringeren Abschlag zahlen. Auch das neue und damit gültige EEG (Erneuerbare-Energien-System) sieht bereits eine solche Abgabe vor, befreit allerdings die privaten Erzeuger, die eine Anlage unter zehn Kilowatt nutzen. Aus diesem Grund sind viele Selbstversorger davon befreit.

Die Zukunft wird zeigen, in welche Richtung sich die Stromversorgung entwickeln wird. Momentan, so bekommt man zumindest das Gefühl, sitzen jedoch die Verbraucher an der Pole Position und dürfen gespannt auf die Reaktionen der Versorger warten. Diese scheinen den ersten Schock der Veränderung verdaut und sich Lösungen ausgedacht zu haben.

 

 

Fest steht: Durch die Teilnahme von Privatpersonen am Strommarkt ist die tatsächliche Konkurrenz der Versorger deutlich gestiegen. Und wenn man eine Ecke weiterdenkt, wird schnell klar, dass die großen Stromkonzerne alles in ihrer Macht stehende tun werden, um ihre Kunden  zufriedenzustellen. Denn jeder unglückliche Verbraucher ist ein potenzieller Selbstversorger. Und jeder Selbstversorger ist ein Kunde weniger. Infolgedessen dürfen sich die Verbraucher langfristig auf mehr Wettkampf und dadurch fallende Preise freuen.

Zumindest solange, bis die Politik oder die Stromgiganten eine Lösung für diese Thematik gefunden haben. Aufgrund der derzeitigen Entwicklungen den Öl- und Strompreises sowie der aufkeimenden Diskussion um einer Abgabe der Selbstversorger, scheint das Risiko einer hauseigenen Anlage momentan noch zu hoch sein. Bei Gesamtinstallationskosten, die sich trotz des Preissturzes noch auf knapp 30.000€ belaufen, umso mehr.

Deshalb lautet unser Tipp für Menschen, die mit dem Gedanken der Selbstversorgung spielen: Warten Sie noch – zumindest solange, bis sich Öl- und Strompreis stabilisiert haben und die Politik eine endgültige Entscheidung für oder gegen eine Abgabe getroffen hat. 

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